Ich vergebe Dir!


Ich vergebe Dir. Ich vergebe auch Dir und ich vergebe sogar auch Dir.

Ja Du hast es richtig gehört. Ich vergebe Dir und all den anderen die mich zum weinen gebracht haben, die mich leiden lassen haben, die mich unfair behandelt haben.

Auf meiner Reise zu mir Selbst, habe ich einiges gelernt. Ich habe gelernt wer ich bin, was mich ausmacht, was ich kann und was ich noch könnte. Die Reise ist noch nicht beendet, es geht Tag täglich weiter und jeden Tag lerne ich mehr über mein Selbst. Aber die wichtigste Lehre war für mich der „Weg“ zu mein Selbst.

Dieser Weg ist nicht immer so leicht. Es hat Höhen und Tiefen, es ist mal dunkel und mal hell, es ist mal kalt und mal warm. Es ist auch sehr steinig. Am Anfang habe ich versucht diese Steine zu umgehen, oder drüber zu springen. Ich habe sogar eine Zeitlang versucht sie zu übersehen. Bis ich gemerkt habe, das ich es nicht umgehen kann. Ich hatte mich so sehr auf mein „Ziel“, auf mein Selbst konzentriert, das ich nicht bemerkt habe das diese Steine, mein Selbst höchst persönlich sind.

Eines Tages habe ich einen von diesen Steinen aufgehoben und es näher betrachtet. Dieser Stein war fremd für mich. Ich war überzeugt das es jemand anderen gehörte, denn so ein hässlicher Stein kann doch nicht zu mir gehören!? dachte ich und legte es sofort wieder weg. Ich konnte doch nichts dafür, das man mich so unfair behandelt hat. Es war die Schuld von dem anderen! Ich habe doch alles was in meiner Macht stand, versucht zu machen und auch Lösungen vorgeschlagen, die nicht beachtet wurden. Man hat mich sehr verletzt und ich kann nichts dafür!

Aber was sucht dann dieser Stein auf meinem Weg? Es ist mein Weg und dieser Stein gehört nicht zu mir. Ich musste diesen Stein irgendwie los werden, aber wie? Sollte ich den Stein, zu dieser Person bringen und sagen „Du ich habe diesen Stein gefunden, und der gehört nicht zu mir. Nehme es wieder zurück.“ Quatsch mit Soße :) Dann kann ja jeder wie er will mit Steinen um sich werfen.. „Und das, und das, nimm auch das, das gehört auch nicht mir, oh das war nicht dein Stein. Sei so lieb und leite es einfach weiter“ :) Und wir werden auch mit Steinen beworfen, da alle anderen genau das selbe machen werden.

„Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“ sagt man und wir sitzen alle im Glashaus. Wir sind alle verletzlich und empfindlich.

Also habe ich eine andere Lösung gebraucht. Ich sollte mir diesen Stein genauer ansehen und nahm es endlich mal in die Hand, das ich davor nie gemacht habe.

Ja, tatsächlich! Nach längerer Betrachtung war es klar, es war ein Stück von mir, von meinem Selbst. Ein Stück Stein, das zu meinem Selbst gehörte, aber ich es nie annehmen wollte.

Die ganzen Zutaten aus meinen Handlungen, Taten, Worten, waren die Bestandteile von diesem Stein. Ich selber hatte es geformt und es zu dem Stein gemacht, wie sie heute ist.

Das war gar nicht lustig zu sehen, das man alles selbst erlaubt und zugelassen hat, was einem zugestoßen ist. Dann fingen die Ausreden an und ich setzte nach jedem und vor jedem Satz immer ein „aber weil“ dazu.

So vergingen einige Jahre, in denen ich die Steine immer wieder in die Hand nahm und es mit „aber weil“ zurück legte oder diese versuchte weiter zu geben. Aber es ging nicht weg, diese Steine waren immer noch im Weg zu mir Selbst. Bis ich endlich diese Steine angenommen habe. Ich habe all diese Steine, genau betrachtet und sie angenommen. Es waren meine Steine, es war mein Selbst, es war mein Weg. Diese Steine gehörten zu meinem Weg und waren nötig. Sogar bitter nötig! Um zu mir Selbst zu gelangen, um mich selbst in diesen Steinen sehen zu können. Es fiel mir nicht leicht zu akzeptieren und die Ausreden zu lassen.

Als ich es dann endlich zugelassen habe, war es ok. Es war sogar eine Erlösung für mich. Ich habe angefangen nach und nach, erst mir Selbst zu Vergeben. Es musste so sein, ich musste so handeln, ich musste so reagieren, ich musste es erleben, um meine eigenen Steine zu sammeln, die mich zu mir Selbst führten. Es war so erfrischend! Aber es reichte noch nicht aus, um es komplett aufzulösen und mein Weg zu meinem Selbst frei zu räumen. Es führte kein Weg daran vorbei, ich sollte nicht nur MIR, sondern auch ALLL DEN ANDEREN VERGEBEN.

Ich betrachte erneut alle Steine und sah das „Verständnis“ drin. Ich konnte die anderen verstehen! Sie mussten so handeln, es musste so sein, sie mussten so reagieren, sie mussten es erleben um ihre eigenen Steine zu sammeln. Genau wie ich! Genau wie alle anderen! Sie sitzen genau wie ich und auch alle anderen, im Glashaus. Sie sind genau so wie ich und wie alle anderen, verletzlich.

Ich fing an, sie alle zu verstehen und allen nach und nach zu vergeben. Manchmal habe ich es laut ausgesprochen und manchmal habe ich es einfach nur leise gemacht. Und jeder, dem ich vergeben habe, hat es entweder von mir Selbst gehört oder es gespürt. Alle anderen, denen ich noch nicht vergeben konnte.. Es kommt :) Ich komme nur nicht so oft dazu, meine Steine zu betrachten oder schmeiße immer noch hin und wieder mit Steinen um mich herum.

Es ist nicht leicht zu Vergeben. Es liegen tiefe Wunden in diesen Steinen, ich weiß. So lange aber diese Wunden da sind, schmerzen sie auch. Es schmerzt, es macht wütend, es macht krank. Es ist eine Bestrafung für sich Selbst. Keiner hat was davon, weder Du noch die anderen. Wir sind alle Menschen, wir sind verletzlich und verletzend, es gehört zum Leben dazu. Wir brauchen Verletzungen um zu uns Selbst zu finden, um Frieden mit sich Selbst zu schließen.

Muss das denn sein? Müssen wir uns wirklich verletzen um Frieden zu schließen? Ja es sieht so aus. Es kommt zu Reibungen, Auseinandersetzungen, da wir alle verschieden sind und jeder sein eigenes Selbst versucht zu verteidigen.

Also ist doch alles, halb so Wild oder? Befreit Euch von Ärger und Wut. Versucht zu verstehen, das jeder auf der Suche nach sein eigenes Selbst ist und das es dabei unumgänglich ist nicht zu verletzen.